Mittwoch, 11. August 2010

Eine unendliche Liebe & Durch den Monsun

Teil 1:

Eine unendliche Liebe.

Es ist so weit. In weniger als 5 Wochen werde ich in Mumbai am Flughafen stehen und voraussichtlich unter Tränen in die Maschine steigen.

Das obligatorisch-freundliche Lächeln des Flugpersonals wird für mich nicht weniger als "Lebe Wohl, Indien" bedeuten.

"Lebe Wohl!"

Ohne mein Zutun werde ich dorthin geflogen, wo das Schicksal oder der Zufall mir vor 21 Jahren ein Zuhause geschenkt hat. Deutschland. Europa.

Ziel oder Anfang. Oder Zwischenstop. Oder einfach nur ein Trampelpfad?

Es kommt mir wie gestern vor, als die heisse, dreckige Mumbai Luft des indischen Septembers zum ersten Mal in meine Lungen strömte und tief in mir ein Gefühl der Wärme vernarbte.

Wenn das Liebe ist, dann ist es unendliche Liebe.

Wo auch immer ich bin, was auch immer ich tue, ich werde nie aufhören dich zu lieben.
Indien, das du mir für ein Jahr ein Zuhause warst. Dass du mir deine wertvollen Bewohner als Freunde, Brüder und Schwestern gezeigt hast.
Wie eine Mutter habe ich aus deiner Hand gegessen und wie ein vater hast du mir das Leben beigebracht. Shukriya Bharat! Danke Indien!

Wo auch immer ich sein werde...

Ich werde es nie vergessen an einem Nachmittag mit den Kindern aus einem der Dörfer hier auf dem erdigen Dorplatz um den Tempel herumzurennen und fangen zu spielen, während die Frauen alle vor der Tür ihres Lehmhauses sitzen und die Aluminiumteller spülen. Immer wieder fahren Ochsenkarren vorbei, auf denen Männer mit Peitschen sitzen. Ihre weiße Arbeitskleidung von der Feldarbeit dreckig und löchrig geworden.
Dann kommt eines der Kinder zu mir. "Caca", ruft es mich (Bruder meines Vaters). Es fragt mich ob ich seine Oma auf dem Scooter ins nächste Dorf auf den Markt mitnehmen kann. "Ha, koi baat nahi hai." "Kein Problem!"

Ich werde mich immer mit einem Lächeln an unseren Fahrer erinnern, der mir sagte, dass, wenn ich in Indien leben wolle, doch ich ein indisches Mädchen heiraten solle.
Er kenne alle Männer aus den umliegenden Dörfern. Er könnte alles arrangieren.

...oder mit Rahul in seiner "WG" zu übernachten: Ein Flur. Dort steht ein Tonkrug mit Trinkwasser für alle. Viele kleine Türen. Hinter jeder Tür verbirgt sich ein kleines Zimmer mit 3 Betten und einem Bad. Keine Küche. Nirgendwo im Haus. Ein reines "Boys-Hostel".
Keine Schränke. Ein kleiner Metallschreibtisch begraben unter Computeringenieur-Fachliteratur. Als wir ins Zimmer kamen saßen Nagesh und Roshan auf ihren Betten im Schneidersitz. Da sie keine Schränke haben hing ihre Alltagskleidung an Haken über dem Bett, der Rest war in Koffern verstaut. Aber zwischen ihren Beiden hatten sie die neusten Laptops. Rahul und ich packten das Bier und die Snacks aus, die wir nicht weit im Alkohol-Shop gekauft hatten. Nagesh holte Zeitungspapier und breitete es auf dem Boden aus. Darauf kippten wir die Snacks und saßen uns auch auf den Boden. Erzählt wurde über das Studium, über das Leben, über Indien und Deutschland und mit steigendem primille Spiegel drehten sich die Gesprächsthemen der schüchternen Inder immer mehr auch um Mädchen. Ein Zitat von diesem Abend: "Nach dem Studium heiratest du in Indien und dann sind deine ganzen Probleme angeblich vorbei, so sagen es zumindest meine Eltern."

Hoffentlich hat der kleine Cay Junge, der in dem bunt angemalten Holzschuppen für seine Eltern Cay verkauft, so viel Glück.
Rahul und ich saßen uns am nächsten Morgen auf einer dieser Holzbänke. "Ey Chotu. Don Goldflake paidje hamala", rief ihm Rahul auf Marathi zu. "Hey Kleiner. Wir wollen zwei Goldflakes (indische Zigarettenmarke). "Aur don Caha", und zwei Cay.
Der kleine Junge rannte los um Zigaretten zu holen, währenddessen rührte sein Bruder Milch in einem Topf über der Flamme einer Kerosinflasche und brachte uns zwei Cay. Dazu teilten Rahul und ich uns eine Goldflake. Nach dem Cay noch eine.
Es wunderte mich jedoch, dass kein Erwachsener in dem "Strassencafe'" war.
"Gehört der Cay Shop den beiden Jungs?" - "Nein. Die arbeiten für ihre Eltern."
"Und haben die Jungs gerade Schulferien?" - "Schulferien? Die beiden gehen nicht zur Schule."

...so könnte ich weiter Erlebnisse schildern, die mich berührt, gefreut oder traurig gemacht haben. Aber Schwarz auf Weiss vermitteln sie nicht das, was sie vernarbt in Erinnerungen für mich bedeuten.


Teil 2:

Durch den Monsun.

Jetzt muss ich auch durch den Monsun. Dieser ist gerade voll im Gange und übertrifft jede Erwartung, die ich an die -von allen Indern so geliebte Jahreszeit- hatte.
Ich empfinde es als die anstrengendste der drei indischen Jahreszeiten.
Seit 3-4 Wochen regnet es fast ununterbrochen und ich habe seit mindestens 2 Wochen die Sonne nicht mehr gesehen. Ich dachte der Monsun äussert sich lediglich mit einem Wolkenbruch Nachmittags, doch da hätte ich bei Herrn Herrnleben im Erdkundeunterricht, an den ich in letzter Zeit sehr oft zurückdenken muss, besser zuhören sollen.

Folgende Dinge bringt der Monsun mit sich:

Die Hausangestellten kommen -wenn überhaupt- nur halbtags, denn sie sind damit beschäftigt im Regen mit ihrer Grossfamilie bis zu den Knien im Wasser auf ihren Äckern zu stehen und Reis zu pflanzen. Es ist ein beindruckendes Bild, wie bunte Saris und Turbane im braunen Wasserschlamm zwischen den grünen Reispflanzen im Wind wehen.
Für mich ist das ein trauriges Bild, doch für die Arbeitenden bedeutet das Essen.
Beeidruckend und bedrückend.

Meine Klamotten werden nicht trocken. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit trocknet die Wäsche nicht und es bildet sich Schimmel auf der Kleidung. Ich rede nicht davon, dass sie ein wenig streng riecht, nein, das tuen nur die Matratzen und die Kissen.
Ich rede davon, dass sich auf der Kleidung vor allem am Hals und an den Ärmeln weiss-grüne Flecken bilden. Einige Klamotten waren so von Schimmel überzogen, dass ich sie verbrennen musste. Meine reich verziehrten indischen Ledersandalen (Kolhapuri-Chappel) waren nicht von einem verschimmelten Leib Brot zu unterscheiden.
Jetzt habe ich alles aus meinem Schrank geräumt und an meinen Bettstanden auf einer Leine aufgehängt. Ich hoffe das bringt etwas.

Wir alle verspüren ein steigendes Hungergefühl. Keine Ahnung wie ich das erklären soll, aber, wenn es die ganze Zeit regnet und keine Sonne und wenig Wärme durch die all- und stetsgegenwärtige grau-schwarze Wolkendecke dringt, dann hat man so viel Hunger. Ich befürchte, dass ich so viel zunehmen werde in nächster Zeit.

Selbst kleinere Wunden und Kratzer verheilen schleppend. Jedoch entzünden sie sich blitzschnell und eitern dann eklig. Dieses Problem haben nicht nur die nicht-Inder, sondern auch die Inder. Der Doktor in Paud reinigt deshalb jede Wunde jedes Patienten mit Baumwolle, die er in Desinfektionsmittel tunkt und damit auf der Wunde feste herumreibt. Das tut höllisch weh, aber hilft gut.

Busse und Public Jeeps fahren seltener und werden kurzfristig abgesagt.

Unzählige kleine Käfer und andere Insekten bedecken jede Lichtquelle. Das lockt Geckos und andere Insektenfresser an. Ratten und Geckos locken Schlangen an usw und so sieht man wieder oft tote, plattgefahrene, aber noch bunte Schlangen auf den Strassen.

Der Wind kappt Stromleitungen und so ist selbst der Stromplan (Es gibt einen Stromplan, wann der Stromon der Zentrale ein- und ausgestellt wird) nicht mehr zuverlässig.

Der Handy und Radioempfang wird schlechter.

usw usw.

Alles Dinge, an die ich mich noch gewöhnen muss. Aber nicht mehr lange Zeit dazu habe.
Naja. In der Stadt gibt es die meisten dieser Probleme nicht und so freue ich mich jetzt schon auf meinen Day-Off morgen an dem ich wieder nach Pune fahre. Dann werde ich auch diesen Eintrag online stellen.
Erst Mal ohne Bilder, aber es kommen wahrscheinlich ein paar nächste Woche.

Und so abrupt, wie für mich das Jahr hier enden wird, so wird auch der Blogeintrag jetzt enden, denn ich habe einfach kein passendes Ende finden können.
Ausserdem zertechen mir die Mosquitos gerade die Füsse und dann juckt es und ich kratze und...siehe oben.

Bis bald.

Gianmarco

Samstag, 3. Juli 2010

Snap - Snap - Back to Reality






































Ok. Nach der Sommerpause (hier ist der Sommer vorbei, der Monsun faengt bald/gerade an),
will ich euch wieder nach Indien entfuehren.
Der Monsun scheint kampfeslustig und bereit. Siegessicher macht er auf sich aufmerksam. Er weiss, dass der Sommer nun zu alt, zu schwach ist um ihn noch aufhalten zu koennen.

Taeglich ziehen sich die Wolken ueber dem Nachmittagshimmel zusammen, die graue Dunkelheit kuendigt ein gewaltiges Naturschauspiel an.
Die Regissuere, Wind und Regen, werden auch die Hauptrollen uebernehmen. Um die special Effects hat sich wohl Gott persoenlich gekuemmert.
Und dann, jeden Tag zwischen 15.oo Uhr und und 17.oo Uhr....nichts.
Nichts passiert. Jeden Tag klaren die Wolken wieder auf und hinterlassen nichts als schwuele, schwere Luft.
Ein paar Mal hat es jetzt leicht geregnet. Eines Nachts sogar staerker. Bis jetzt hat der Monsun nicht wirklich angefangen.

Der Gong. Der Sommer stuermt auf den Monsun zu und hofft den jungen Kaempfer im Ueberraschungsmoment zu ueberrumpeln. Der Monsun bleibt wider erwarten ruhig - fast erfahren. Jetzt ist es Zeit zu zeigen was in ihm steckt. Er taeuscht ein paar Mal an und...

Wie's weiter geht beim naechsten Mal.

Achso. Fuer alle, die es noch nicht wissen: Ich hatte mir 5 Wochen Urlaub genommen und bin mit 3 Freunden aus Worms quer durch Nordindien gereist: Pune & Sadhana Village. Udaipur. Jaisalmer. Delhi. Nainital. Kiccha. Amritsar. Agra. Varanasi. Kathmandu (Nepal).

Nach einer Odysee zwischen dem internationalen Flughafen von Mumbai und dem Buero meiner Einrichtung am ausseren Stadtrand von Pune trafen wir uns per Zufall. Ich dachte Armin, Julian und Felix seien schon im Office und warten auf mich. Sunnil nahm mich auf seinem Motorrad mit nach Pune und setzte mich in Vanaz ab. Von dort aus sind es noch 3 Minuten Fussweg durch den verrueckten Aussenbezirk von Pune zum Office von Sadhana Village.

Als ich die Strasse ueberqueren wollte - eine stets gefaehrliche Angelegenheit in Indien - erhupt sich ein Jeep meine Aufmerksamkeit. Der Fahrer des Wagens will damit immer sagen: "Pass auf, ich bin staerker und nicht gewillt die Bremse zu benutzen. Warte mit dem Ueberqueren, bis ich vorbei bin."
Mit diesen obligatorischen Hupgespraech bin ich mitlerweile vertraut und schenke dem Wagen nicht so viel Aufmerksamkeit, bis der Wagen so nah ist, dass ich auf seiner Frontscheibe klar und deutlich "K.K Travels" lesen kann. Da muessen meine Freunde drinsitzen. Geil. Ich hab sie gefunden. Oder sie haben mich gefunden. Oder wie auch immer. (Was ein Zufall. Sonst hätten wir uns wohl nicht gesehen, denn der Fahrer wusste nicht wirklich wo er mit den 3 Ausländern, meinen Freunden, hin sollte...)
Der Wagen wird langsamer. Die Luft brennt schon am fruehen Vormittag. Es war ca. 9 Uhr. 29 Grad. Der trockene Staub macht die Luft beige und das Atmen schwer. Schwitzende Inder-Innen in Kurtas und Saris - alle mit Kopfbedeckungen quetschen sich durch die belebte mittelgrosse, zweispurige Strasse. Einige von ihnen schieben Karren mit Gemuese oder anderen Guetern vor sich her, andere trinken Cay im Schatten eines hoelzernen Strassenstandes. Ziegen, Kuehe und Hunde retten sich in letzter Sekunde vor dem bremsenden K.K Travels Jeep. Am Strassenende laufen 4 Kamele. 3 Freunde steigen aus dem Auto aus. Verschwitzt und mit tiefen Augenringen. Aber scheinbar gluecklich fallen sie mir um die Arme. So haben unsere 5 wunderbaren Wochen angefangen.

Als erstes Ging es nach Sadhana Village. Wir hatten uns viel zu erzaehlen. Sie seien beinahe ueber der Tuerkei abgestuerzt und ich wohnte jetzt in der Savanne. Auf dem Weg in die Savanne, ueber dornige Dorfstrassen liessen wir unsere Freundschaft wieder aufbluehen. Trotzdem war es die ersten Tage schwer.
Man muss erst einmal wieder zueinander finden. Unsere Leben haetten nicht unterschiedlicher laufen koenen und auch in Zukunft wird es wohl schwieriger eine gemeinsame Ebene zu finden auf der man sich begegnen kann. Einer wird Elektroingenieurwesen studieren (oder so aehnlich), der andere geht zu Mercedes als Industriekaufmann (oder Manager :-) ), ein weiterer arbeitet in Pforzheim an seiner Designerkunst (sein bescheidenes Ziel: New York), und ich.
Wir werden sehen. Aber Freunde waren Freunde, sind Freunde und Freunde werden Freunde bleiben.

Also in Sadhana angekommen wunderten sich meine Freunde wie sehr ich doch tatsaechlich am Arsch der Welt lebe. Nach ein bisschen Ruhe haben sie beim Sadhana Alltag mitgemacht und nachmittags haben wir am Strassenrand auf eine public Riksha nach Paud gewartet. Und ab nach Paud. Dorfsafari. xD
Staubeige, kleine Doerfer, ohne befestigte Strassen, Kinder in ausgebleichten Klamotten, die mal bunt waren, Holzhütten und Wellblechdächer, freulaufende Huehner und Hunde. Starrend-unglaubige, aber freundliche Blicke der Dorfebwohner...

Am naechsten Tag sollte es nach Udaipur gehen. Eine der schoensten Staedte Indiens. Die blaue Stadt und ihre Dachterassen. Dort wurde James Bond's Octopussy gedreht. Mit den Rucksaecken haben wir uns durch Busse und Rikshas zur Bushaltestelle gekaempft, wo schon der große Langstreckenbus nach Udaipur wartete. Immer 2 + Gepaeck pro Riksha. Macht 2 Rikshas. Der Rikshafahrer, der als erstes ankommt, bekommt einen Bonus. Macht 1 Riksharennen. Auf unserem persoenlichen Riksha-highway durch die Millionenstadt Pune. Lachen und Freiheit.
Das Bild haette nicht bizzarrer sein koennen. Auf einer Muellhaldeaehnlichen Bushaltestelle wartete dann der dieser fancy super moderne super grosse A/C Sleeperbus nach Udaipur bereits auf uns. 20 Stunden Fahrt lagen vor uns. Wir froren wie die bloeden. Scheiss Klimaanlage. Nie wieder A/C (Air Conditioning)!

In Udaipur haben wir in das beste Guest House der Welt eingecheckt. Guenstig und total familiaer. Pleasure Guest House und Eden Garden Restaurant. Ein indisches Einfamilienhaus mit wunderschoenem Innengarten - oefters mal von Affen besucht, die sich gerne mit Roti fuettern lassen -, wo Gitu (der Besitzer) mit seinen Eltern lebt. Gitu. Eine sau coole Sau der Typ! Neben zwei Daeninnen waren wir die einzigen Gaeste. Abends haben wir alle zusammen indisch gekocht, mit frischen Zutaten vom Markt und Gitu als unser Kochchef. Ein absolutes WG Gefuehl. Die Kueche, im Vorgarten, provisorisch unterdacht, wurde zur absoluten Partybude im indischen Udaipur. Das Dach des Guest Houses. Ein nacktes, flaches graues Dach ueber einer der schoensten Staedte der Welt mit einer noch beeindruckenderen Aussicht ueber die Daecher und Gaesschen und Tempel Udaipurs.
Aber auch ausserhalb des Guest Houses hat Udaipur mich beeidrucken koennen: Der weiße Palast mitten im kuenstlichen See (heute eines der teuersten Hotels der Welt und nur mit dem Boot zu erreichen), der Blick ueber die blauschimmernde Stadt, ueber ihre orientalischen Dachterassen und ueber die kleinen, lebendigen Gaesschen bis hin zum Citypalace. WOW. Unbeschreiblich. Der Aufenthalt war laenger als geplant, aufgrund von gesundheitlichen Problemen eines Gruppenmitglieds.

Eigentlich sollte die Station danach Jaipur werden. Wurde sie aber nicht. Nicht nur die Daeninnen, Tony und Sarah, hatten uns von Jaiselmer, der beigenen Festungsstadt am Rande der Wueste (den Namen habe ich vergessen) und nicht weit von der Pakistanischen Grenze, erzaehlt.
Spontan haben wir uns entschieden das Zugticket nach Jaipur zu vergessen und 4 Bustickets nach Jaiselmer zu buchen. Bereut haben wir das nicht.

Jaisalmer. Eine beigene Festung in der Wueste. Mittelalterlich und Orientalisch. Etwas weniger geschaeftig als Udaipur, was aber am unmenschlichen Klima gelegen hat. Staubtrocken und 47 Grad Celsius. Diese Stadt, bzw. diese Burg, haette mit ihren verziehrten Mauern, den kleinen labyrinthartigen Gaesschen und den Bewohnern mit bunten Turbanen und Saris, ein perfekter Drehort fuer die Verfilmung eines 1001 Nacht Maerchens sein koennen.
Mit 2 Deutsch-Franzosen, einer Schweizerin und einer Italo-Kanadierin haben wir uns 2 Tage auf Kamelen in die Wueste getraut. Lange Kleidung in der Wueste mag sich verrueckt anhoeren, aber kurze Kleidung ware verrueckt gewesen. Ein Turban war lebensnotwendig. Die Sonne kann grausam sein. Etwa 7 Liter Wasser pro Tag haben wir getrunken. Stets warm. Für kaltes Wasser hätten wir unsere Seelen verkauft, aber selbst der Teufel kann wohl in der Wüste kein kühles Wasser kriegen, denn er hat uns nie diesen tausch, Seele gegen kaltes, klares Wasser, angeobten. Alles haben wir wieder ausgeschwitzt. Auf Toilette mussten wir trotz des enormen Wasserverbrauchs nie. Kamele sind nicht gerade die bequemsten Gefaehrten, aber sie haben uns + unsere Vorraete getragen. Stolze Viecher. Sehen aber duemmlich aus. Meins habe ich Daniel getauft. Zumindest sah es wie ein Daniel aus. Aber rennen konnte es. Nur Ueberholen mag es nicht. Kein Alphatier auf dem ich da gesessen habe. Kamele haben die bloede Eigenschaft gerne hintereinander in einer Reihe laufen zu wollen, was ein Kamelrennen fuer uns wirklich schwierig -aber nicht unmoeglich - gemacht hat. Man musste es nur ein wenig antreiben. Mit Rufen und den Zuegeln als Peitsche.
Als unsere maechtige Kamelkarawane sich einigen Wuestendoerfern naeherte stuermten Kinder aus den hellbraunen Lehmhauesern um uns zu begruessen und nach Suessigkeiten zu fragen. Wuestendoerfer. Wahnsinn. In dieser lebensfeindlichen Umgebung gab es doch tatsaechlich Menschen. Ausser uns, meine ich. Einheimische Viehbauern.
Die Menschen dort leben wirklich im Nichts. Noch mehr als ich! Lehmhausser, auf Sand gebaut, schuetzen vor der Sonne. Generell ueberalle Sand und Wuestengeroell als Grundlage fuer menschliches Leben. Ich ringe gerade echt mit den Worten. Ich weiss nicht, wie ich das beschreiben soll. Es war der Wahnsinn. Und das ganze Dorf, seine menschlichen- und tierischen Bewohner, teilte sich einen Brunnen mit Handpumpe. Wasser ist hier Gold. Mit echtem Gold kaum etwas anzufangen.
Und trotzdem hat sich einer der Bauern (fuer umgerechnet 40 Euro) eine Ziege abkaufen lassen. Wir mussten schliesslich zu Abend essen. Abends haben wir zwischen Duenen unser Wuestenlager aufgeschlagen und mit Hilfe eines Einheimischen die Ziege geschlachtet. Unsere Karawanenfuehrer haben sie gekocht, mit Holz, dass wir zuvor gesammelt und auf unseren Kamelen transportiert haben. Nachts haben wir dann alle zusammen gegessen und uns danach in kalten Wind schlafen gelegt. Nach einigen Stunden war der Wind zu kalt und wir haben gefroren, eingemurmelt in Decken, unserer Kleidung und Sternenhimmel. Klar und trocken.

Der Sonnenaufgang in der Wueste ist fantastisch. Die Sonne faerbt und erhellt den Himmel und den Sand langsam und kaempft sich ueber die Duenen. Mit jeder Sekunde steigt die Temperatut merklich. Und wieder auf die Kamele. Der Arsch tut weh vom staendigen Auf- und Ab, doch es ist noch ein halber Tagesritt bis zum verabredeten Treffpunkt mit dem Jeep.
Nach dem Fruehstueck war unser Wasser fast leer. Nach der ersten Pause hatte jeder nur noch eine Flasche Wasser. Und wir hatten eigentlich kein Bock mehr auf weiterreiten. Echt, es gibt Leute, die waren 40 Tage in der Wueste. Verrueckte, gottverdammte Masochisten!
Trotzdem haben wir es ohne goettliche Hilfe geschafft. Nach ein paar Stunden stillen Reitens ueber Stock, Sand und Stein, sind wir Nachmittags am Jeepsammelpunkt angekommen. Mit dem Jeep in Jaiselmer angekommen, haben wir uns kaltes Wasser gekauft. Klares Leben. Und uns eine kalte Dusche gegoennt. In der "schoensten Dusche der Welt", wenn ich an dieser Stelle Armin zitieren darf. xD

Am naechsten Tag ging es mit dem Zug nach Delhi. Eine Zugfahrt in Indien ist immer lustig. Tag und Nacht hoert man die Rufe mobiler Verkaufer, die an Haltestationen in den Zug springen "Caay, garam Cay milega" (Cay, es gitb warmen Cay) oder "Samosa, garam Samosa. Bolie." (Samosa, warme Samosa. Sagt bescheid (wenn ihr welche wollt)) oder "Pani, thanda Pani pio." (Trinkt Wasser, kaltes Wasser) usw...
Schlafen ist soweiso schwierig, denn die Betten in der Sleeper Class, der zweitguenstigen, aber coolsten Zugklasse, sind nicht gerade gross und komfortabel. Immer drei Betten sind uebereinander. Der Oberste muss auf seinen Kopf aufpassen, denn er schlaeft unter den Ventilatoren.
Eigene Abteile gibt es nicht. Ein Zugwagen schlaeft zusammen und teilt sich 3 Waschbecken und 2 Toiletten, die besonders morgens unheimlich gut besucht sind. Wenn man in der Naehe der Tuer schlaeft ist es sehr windig, denn die Zugtueren sind eigentlich nie geschlossen. Hin und wieder riecht man, wie ein Inder an der Tuer heimlich eine Bedee - eine weit verbreitete, handgedrehte indische Zigarette - raucht.
Sich aber bei voller Fahrt auf die Tuertreppe der offenen Zugtuer zu setzen und sich bei vollem Fahrtwind die Zaehne zu putzen ist ein unbezahlbares Gefuehl. Hygiene und Freiheit! Super!
In dem engen Zug schliesst man natuerlich schnell Bekanntschaft. Wir freundeten uns schnell mit ein paar indischen Studenten und ihren Cousins an.
Sie hatten ein paar Wochen frei und erkundeten die Schoenheit ihres eigenen Landes. In Delhi, wo sie studieren, wollten wir uns wieder treffen und dann gemeinsam zu ihrem Heimatdorf "Kiccha" fahren. Wir hatten viel Spass im Zug und die Zeit ging schnell rum.

Delhi. Die Hauptstadt. Die Megastadt. Die Metropole. Geil! Bei der Einfahrt in die New Delhi Trainstation fahert man durch einen Slum. Die Schienen, die Zuege und ihre Abfallprodukte scheinen die Lebensgrundlage fuer die Slumbewohner zu bilden. Eine eindrucksvoller, schwieriger, atemberaubender, trauriger erster Eindruck von Delhi. Auf einem Muellhaufen lag ein toter Mensch. Slumleben.

Am Bahnhof angekommen erwarteten uns nicht weniger als 10 Menschen, die uns ein gutes, guenstiges Hotel empfehlen wollten und ich wuerde luegen, wenn ich ihre aufdringliche Gesellschaft als angenehm beschreiben wuerde. Aber es ist schwierig sich nicht auf die guten Angebote einzulassen und einen Blick in die Zimmer oder Hostels zu werfen, die von ihnen angepriesen werden.
Nach ein paar enttauschenden Zimmern mussten wir mit harten Worten darum kaempfen uns selbststaendig auf die Suche machen zu duerfen. Hier geht es um gutes Geld. Wenn wir eines der beworbenen Zimmern genommen haetten, waere ein nicht kleiner Teil des Zimmerpreises an den ausgezahlt worden, der uns das Zimmer gezeigt hat. So funktioniertn das mit Riksha-Fahrern, die einem einen Shop zeigen wollen, sowie mit Locals, die einige der Hotelbezitzer kennen. Das Kommissionsgeschaeft ist hart in Indien. Der Lonely Planet ist der Gegenspieler der Schlepper, jedoch haben die meissten Schlepper bessere Preise...

Letztendlich haben wir uns fuer ein Hotelzimmer entschieden, dass zwar etwas teurer war, als wir erhofft hatten, aber alle unsere Ansprueche erfuellte und schliesslich sollten wir in Delhi etwas laenger bleiben.
Delhi ist dreckig, super geschaeftig, heiss, mega gross, wuselig, reich, arm, ueberwaeltigend. Zumindest hat Delhi mich sofort in seinen dreckigen Bann gezogen und ich habe mich einnehmen lassen. Von der Metropole und seinen Vorzuegen und Nebenwirkungen.
Den ersten Abend haben wir gechillt auf unserem Dachterassenrestaurant verbracht. Am naechsten Tag haben wir uns Abends mit unseren Freunden, den Studenten aus Kiccha, am Gate of India, getroffen. Abends haben sie uns ein bisschen abseits der Touriroute gefuehrt haben. Die stolzen Muslime brachten uns natuerlich ins muslimische Viertel. Dort haben wir den besten Kebab gegessen, den es auf der ganzen Welt gibt! Und zwar viel zu viel davon. Am Strassenrand, auf dem Boden und auf Kisten sassen wir zusammen und griffen zu. Hinter uns war eine Holz- und Metalltheke, auf der Fleisch lag, dass aufgespiesst und auf offener Flamme gegrillt wurde. Gelegnetlich rief einer der Studenten zum "Kebabvala" ("Der, mit dem Kebab") auf Hindi. "Bhai. Aur lo!", ("Bruder, bring mehr").
Und so kaempften wir uns alle durch die Tonnen von Kebab, Wasser und Zigaretten. Als wir bezahlen wollten laechelte man uns an und sagte alles sei schon geregelt. Sehr indisch: "Ihr seid unsere Gaeste, in unserem Land. Ihr sollt nicht bezahlen. Ihr wuerdet das selbe fuer uns in eurem Land machen!", war man sich sicher. Wir waren uns da nicht so sicher... Ich bin der Meinung, dass die indische Gastfreundschaft gegenueber Fremden ist ein wenig ausgepraegter als die Deutsche! Aber darum geht es jetzt nicht!
Nach dem Kebab wollten wir unsere neuen Freunde auf ein Bier einladen. Ein bisschen irritiert erklaerte man uns, dass ein guter Muslim, keinen Alkohol trinken darf, aber wir gaben nicht auf. Wir wollten, ein bisschen peinlich beruehrt, unseren Freunden auch etwas gutes tun. "Ihr seid mit uns gekommen und wir duerfen euch unsere Haeuser, unsere Freunde, unser Essen und unser Leben zeigen. Das ist was ihr fuer uns tut", wurden wir stolz beschwichtigt.
Und wieder mussten wir aufgeben. So wie man es in Indien oft machen muss. Aufgeben. Aber im Gegensatz zum "deutschen Aufgeben", tut Aufgeben hier nicht weh, nein, Aufgeben macht einen hier heimischer...
Am naechsten Tag haben wir irgendwie, irgendwo, irgendwann einen Riksha-Fahrer kennengelernt, einen Sikh (eine Religion. Maenner tragen Turbane und Baerte und duerfen sich nicht die Haare schneiden. Man ist unheimlich tolerant (ausser gegenueber gleichgeschlechtlicher Lieber) und teilt ALLES! Interessante Religion.)
Dieser Sikh war uns so sympathisch, dass wir am naechsten Tag eine New- und Old Delhi Stadtrundfahrt in seiner Riksha mit uns machen wollten. Er willigte ein und wir trafen uns am naechsten Morgen. Red Fort, Gate of India, Al Ja(..dgid oder sowas) Mosche, unzaehlige buddhistische-, hinduistische- und natuerlich sikh-Tempel, das Mahadmaghandi Grab und Museum usw...
Am besten hat mir die Al Ja(irgendwas) Mosche gefallen. Hammer Ding. Riesengross und eine tolle Atmosphaere. Man ist umringt vom Gefluester von Koransuren. Die riesige, offene Moschee ist in einem braun-weiss gehalten, alles ist verzieht und die Details sind gruen, die Lieblingsfarbe des Propheten Mohammed.
In der Mitte steht ein grosser Brunnen, wo man sich nach muslimischer Tradition vor dem Beten, das Gesicht, die Beine und die Arme waescht. Am Brunnen wird geschaerzt und gelacht, doch stets mit etwas ernstem Respekt. Die Glaubigen versammeln sich im Schatten der Moscheeboegen und beten nach Weten, wo Mekka liegt. Devot, aber stolz! Hammer. Ich bin kein religioeser Mensch, doch hier wollte ich zu Allah beten und ihm Danke sagen, dafuer, dass die Menschen im Stande sind so etwas zu bauen und es mit so viel Respekt zu ehren. Begleitet wurden wir von einem stummen Fuehrer, zwar flink mit seinen Gesten war, aber uns nicht viel mehr sagen konnte, als wir wussten. Schliesslich war er stumm. Er wurde ein bisschen ungemuetlich, als wir ihn bezahlen sollten, aber mit ein bisschen Sensibilitaet laesst sich alles regeln.

Natuerlich ist das Red Fort auch beeindruckend, so wie alle anderen Sehenswuerdigkeite, aber die Moschee und ihre Menschen hat mich wirklich beeindruckt.

Im Sikhtempel wurden die Haare unter einem Haartuch versteckt und als erstes hat uns ein weiser Mann in die Sikh-religion eingefuehrt. So wortgewandt und so geschickt, dass wir ihn zu lieben begannen. Ein echter Guru. xD
Im Tempel selbst war eine etwas lockerere Atmosphaere als in der Mosche, man hat Mantren gesungen und geredet. Sikh Tempel haben etwas einzigartiges. Die meissten der Tempel bieten gratis Mahlzeiten und Schlafplaetze an. Wenn man will, kann man in der Kueche helfen oder spenden. Keiner wird dazu gedraengt oder gebeten. Es steht absolut frei. Am Ausgang kann man um eine Hand voll braunen, suessen Brei bitten, der als heilig angesehen wird. Und zwar nicht weil das Zeug an sich heilig ist, sondern weil jeder dazu beitraegt und dann das Endprodukt geteilt wird. Einige Spenden Geld, von denen Zutaten gekauft werden, andere Spenden direkt Zutaten wie Zucker oder Gewuertze.
Am Abend war unsere Stadtrundfahrt zu Ende und wir hatten viel gesehen. Dass einzige was wir dann noch sehen wollten war das Bett. Gute Nacht.
Einen Abend sind wir in ein grossen Luxuskino am Connaught Place. Fast so teuer wie in Deutschland, aber es hat sich gelohnt. Der Film, Clash of the Titans, ist OK, aber nicht so gut wie das Kino. Eine hautnahe Delhi-Oberschicht-Erfahrung, waren im Kino nur reiche Inder mit ihren Familien.
Der Wartesaal, sah aus wie ein Tanzsaal eines Barockschlosses, der Kinosaal hatte Kellner, die einem auch zwischendurch alles gebracht haben was man wollte. Delhi-Dekadenz.

Und so vergingen die Tage in Delhi mit Essen (Delhi ist beruehmt fuer sein gutes Strassenessen), Schlafen, Rumlaufen und sich hin- und wieder mit unseren super netten Studentenfreunden, den stolzen Muslimen, treffen am Connaught Place chillen. (So ein cooler Platz: Ein riesiger vielleicht 5-7 spuriger Kreisverkehr und in der Mitte eine gruene Insel, auf der die Studenten lernen, die heimlichen Paerchen verliebt erzaehlen und sich beim Gestikulieren ausversehen kurz beruehren, die anderen, so wie wir, beobachten das nette Treiben auf einer stillen Wiese in mitten einer super befahrenen, indischen Strasse in nur eine Richtung. Zur Veranschaulichung: Riksha Fahrer wollten ein paar Rupien extra, wenn man sie am Connaught Place angehalten hat und sie ein mal um den Platz rumfahren mussten, um dann in Richtung des Ziels fahren zu koennen, so groß war der Kreisel.
Drum herum kann man in indischer Atmosphaere westlich einkaufen. In alten Torboegen und Haussern stellen super moderne Levi's, Adidas usw Geschafte ihre Produkte hinter geputzten und beleuchteten Scheiben zur Schau. Vor jedem Geschaeft ein Wachmann. Indien entwickelt sich rasend schnell und viele profitieren davon. Aber die meissten fallen hinten runter. In Deutschland redet man von einer grossen Schere zwischen Arm und Reich. Indien ist viel krasser. Delhi (und Mumbai) sind am krassesten!
Auf jeden Fall ist unter dem Connaught Place, der schon so beeindruckend ist, auch noch eine Metrostation und ein ganzer riesiger unterirdischer Bazar. Der Hammer. Zwischen Stahl-Rohren und unverkleideten feuchten Waenden, hat sich ein unterirdischer Bazar vor allem fuer Kleidung und elektronische Produkte etabliert. Zwischendurch leckt ein Rohr und eine, der vielen unterirdischen Gassen wird geflutet. Blitzschnell stuermen alle Laedenbesitzer mit Lappen, Eimern und allem was helfen koennte aus ihren Laeden und reparieren kommentarlos das Rohr.

Ein paar Tage spaeter wollten wir wieder ins Kino, diesmal in ein anderes. Ausserdem wollten wir mal mit der international hochgelobten Delhi Metro fahren. Um beides zu verbinden haben wir uns ein Kino empfehlen lassen, dass 20 Metrominuten ausserhalb des Zentrums liegt. In Noida Sektor 18 oder Sektor 15.
Was wir nicht wussten, dass Kino selbst ist in einer Mall. Die Mall hatte so viele Eingaenge, dass wir nicht wussten, welchen wir benutzen sollen. Die gesamte Strasse entlang hat man nur die Mall gesehen. Eine Mall, bis zum Horizont. In diese Mall haette die gesamte Wormser Fussgaengerzohne mehr als 5x reingepasst. Und das ganze auf sieben Etagen. Wow. Damit hatte ich nicht gerechnet. Eine Mall aus Glas, Beton und Leuchreklamen. Als wir endlich das Kino im siebten Stock gefunden haben und Tickets gekauft haben, hoerten wir laute Musik. Wie wenn man ausserhalb einer Dikso steht, oder das Autoradio auf "Tremble" stellt.
Waaas?? Eine Disko in der Mall. Nein. Doch. Wir hatten soeben die erste Disko unseres Trips entdeckt. In der Mall!
Nur zum Spass haben wir die Tuersteher gefragt, wass der Eintritt den koste. Mit einem ueberheblichen, sehr unindischen Gesichtsausdruck versuchte man uns zu erklaeren, dass wir so nicht reinkommen. In kurzen Hosen, Flip-Flops und T(ouristen)-Shirt.
Abwechselnd schaute ich alle meine Freunde an. Wir dachten wohl alle das gleiche. Zumindest fast, denn nach einer kurzen Diskussion, entschlossen wir uns in die Disko zu gehen. Wir waren schliesslich in einer fucking Mall! An der Kinokasse wurden die letzten Tickets verkauft und dann war auverkauft. Unsere Tickets wurden wir also schnell wieder los. Und dann ab, die billigsten geschlossenen Schuhe, Socken, ein Hemd und eine Jeans gekauft bevor die Geschaefte zumachen. Es war schliesslich kurz nach 9 Uhr. In den Geschaeften fanden wir schnell Hilfe der Angestellten, die unsere schnell-chick-fur-die-Disko-shopping-Aktion lustig fanden. Mit einem wow-wir-machen-gerade-was-echt-cooles-zum-Erzaehlen-Gefuehl haben wir unsere Beute an der Kasse bezahlt und sind auf Mall Klo gestuermt. Umziehen.

Als wir um kurz vor 10 wieder vor den Tuerstehern standen. Verschwitzt von der Kaufhektik, aber mit einem triumphierenden, stolzen Laecheln in unserer neuen Ausgehkleidung, liess man uns rein.
Disko. Fast wie in Europa. Weniger Los, aber gute Stimmung. Der DJ begruesste uns durch sein Mikrofon. Und widmete den naechsten Song den Gaesten von "Abroad". Die Tuersteher warnten uns, denn eigetlich durften auf der Tanzflaeche nur Paerchen tanzen um unangenehme Anmach-Situationen zu vermeiden.
Mit einem Engelsgesicht versicherten wir brav zu sein. Die verzogenen Kids der indischen Oberschicht koennen feiern und mit ihnen oder eher neben ihnen zu feiern macht tierischen Spass. Obwohl keiner von uns der typische Diskogaenger ist, hat uns der Abend riesen Spass gemacht. Vielleicht lag es daran, dass wir allein die Moeglichkeit in eine Disko zu gehen vermisst haben, oder nach all dem harten Travveln und dem positiven Stress in der Mall wirklich in Feierstimmung waren, oder an etwas anderem. Auf jeden Fall hat es Spass gemacht und die Disko hatte (unueblich fuer Indien) sogar bis 2 Uhr Nachts auf.
Mit viel weniger Geld in den Taschen als noch ein paar Stunden zuvor haben wir uns ein Nacht-Omlett an einem Strassenstand gegoennt und sind mit der Rikhsa heimgefahren.
Was ein Abend. Der Abend in der Disko hatte uns etwa ein Achtel unseres Gesamten Reisebudget gekostet. Hat sich aber gelohnt! xD

Es gab aber auch Abende, die weniger westlich liefen. Eigentlich liefen fast alle Abende unseres ganzen Trips weniger westlich und auch dass haben wir sehr genossen.

Delhi ist beeindruckend radikal. Und in Delhi habe ich etwas ueber mich gelernt. Ich auch. Ich habe Delhi so genossen, weil es nichts „halbes“ dort gibt. Ich habe mich in den super abgefuckten, dunklen Ecken genauso wohl gefuehlt, wie in der Mall oder der Disko. Ich mag eben keine halben Sachen. Alles in Delhi, ist authentisch. Und es passt irgendwie da hin. Nichts ist vorgemachter Schein und das hat mir gefallen.
Extrem und 100% Delhi. Das muslimische Viertel ist 100% wie es sein will. Nichts erinnert daran, dass man in einem Hinduland lebt. 100% little Pakistan so zu sagen. Die Reichengegenden sind nicht bewohnt von halbreichen Pseudo-Wichsern, sondern von echten 100% Vollreichen, fuer die Geld nichts ist, aber alles stellt. Und die Armenviertel, die Slums, 100% eben.
Alles ist extrem. Nichts ist gelogen. Alles ist echt. Echt extremes Delhi. Ich liebe dich Delhi. Die beeindruckendste Stadt, die ich je gesehen habe. Hier koennte ich gluecklich werden! Delhi. Ich bin einer dieser Menschen, die kein grau kennen: schwarz oder weiss. Man hat mir oft dass Gefuehl gegeben, ich sollte mich dafuer schaemen oder, schlimmer, es aendern. Nein. Danke Delhi! Denn genau das macht Delhi so unwiderstehlich. Die Seele Delhis ist genau das!
Radikal und Extrem!
Und diese Stadt hat mir eine neue Sichtweise gegeben. Eine wichtige Sichtweise, etwas dass mir gefehlt hatte. Eine Art Richtlinie, meine Religion, ein Lebensziel: 100%! Oder 0%. Nichts dazwischen! Alles oder nichts. Und mit beidem waere 100% gluecklich. Gleichwertigerweise. Also kann ich so nur gewinnen. Danke Delhi. In Zukunft möchte ich lernen auch 100% Gianmarco zu sein, auch wenn ich das schon oft versucht und nie geschafft habe. Ich kenne den 100% Gianmarco noch nicht und weiss nicht wo er mich hinführt, jedoch, muss ich ihn rauslassen um glücklich werden zu können. Er wird mich dahin führen, wo ich 100% oder 0% bekommen kann und davon hängt nichts weniger, als mein Seelenfrieden, ab.

Aber nun weiter mit der G'schicht:

Am naechsten Tag haben uns unsere Freunde aus Kiccha erklaert wie wir denn nach Kiccha kommen und sind vorgefahren um "vorzubereiten".
Vor Kiccha haben wir einen ein-tages Abstecher nach Nainital gemacht. Eine Hillstation am Fusse des Himalayas. Ein idyllischr See bildet den Mittelpunkt des kuehlen Nainitals. Es sah ein wenig aus wie die Schweiz. Und das in Indien xD.
Wir hatten die Handynummer von einem Freund unserer Freunde, der uns in Nainital helfen sollte ein Hotel zu finden und am naechsten Tag nach Kiccha zu finden. Das etwas kuehlere Klima machte mir zu schaffen, war ich doch das heisse Indien gewohnt und liebte es.
Wieder so ein halb Ding, dass ich nicht abkann. Etwas kuehler... Kein wunder, dass ich Nainital nicht mochte. Eine halb-Schweiz in Indien. naja, wir sind ja nur eine Nacht geblieben und nach einer Paddelbootstour auf dem See haben wir uns in den Bus Richtung Kiccha gesetzt.

In Kiccha angekommen wurden wir auf Motorraeder gesetzt und bei Danish Malik und seiner Familie einquartiert. Das Haus und das Zimmer war plotzlich zum Dorftreffpunkt geworden. Ein bisschen haben wir uns wie Rockstars gefuehlt. Uns wurde jeder Wunsch erfuellt, auch ohne dass wir es wirklich wollten. Nach einer kleinen Ruhepause wurden wir wieder auf den Motorraedern durchs Dorf gefahren und jedem Familienmitglied vorgestellt. Von Haus zu Haus, Cousin zu Bruder, zu Tante, zu Oma...
Heiß war es, und interessant, aber anstrengend. Aber das war es wert! Am Kiosk wurden uns freundlich die Haende festgehalten, falls wir Anstalten gemacht haben zu bezahlen, was wir bestellt hatten.
Das Abendessen wurde von den Schwestern, Tanten und Muetter unserer Freunde gemacht. Roti, Kabab, Dal (Linsen), Reis, Sabji (Gemuese) und Joghurt. Hammer viel und Hammer lecker. Das Beste Essen, dass ich je in Indien gegessen habe und eines der besten Essen, das ich je gegessen habe. Wir sollten fuer alles unendlich dankbar sein, aber jeder sprach UNS (?) Dank aus. Dafuer, dass wir von so weit her kamen und Kiccha besuchen. Dafuer, dass wir in unserem Land gut ueber Kiccha sprechen. Und wir mussten versprechen, dass wir wieder kommen und dass wir Kiccha nie vergessen. Beide Versprechen habe ich ernst gemeint!
Kiccha war der Hammer und ich konnte mein Hindi ueben, denn wenige haben wirklich Englisch gesprochen. Dass ich Hindi sprach, fanden die Kicchaner überwältigend, war es doch ihre Muttersprache. Überall sollte ich mit den Leuten auf Hindi reden, selbst wenn die dann doch mal English konnten.
In jedem Haus wurden wir zum Tee und/oder zu Cold Drinks (Cola, Fanta, etc) eigeladen und wir haben sicherlich in Kiccha alleine 2 Kg zugenommen.
Die Nacht haben wir bei Danish verbracht und morgens ein ausgepraegtes, suesses Fruehstueck bekommen. Vor unserer Tuer standen immer 2-3 unserer Freunde, wie die Türsteher, um nur ausgewaehlte Gaeste zu uns zu lassen, bzw, „...dass wir nicht von zu vielen belaestigt werden.“ (Zitat) xD
Am Nachmittag hat man uns in ein etwas groesseres Dorf gebracht, wo man uns bis IN den Bus nach Amritsar begleitet hat.
Kiccha war pure Liebe. Naechstenliebe, Fremdenliebe, Gastfreundschaft. Und mir wurde klar, wie verkrueppelt unsere Welt scheint (oder ist), verglichen mit Orten, wo die Menschen weit weniger haben. Wenn man nichts hat, wird man alles geben.

Amritsar. Nach einer unheimlich unbequemen 15 stuendigen Busfahrt nach Amristar, an der pakistanischen Grenze, haben wir entsetzt ausgerechnet, dass wir, wenn wir nicht noch mehr Zeit verlieren wollen, nur eine Nacht bleiben koennen. Im Prinzip sind wir nur aus zwei Gruenden nach Amritsar gekommen. Die Attari-Grenzschliessung-Zeremonie zwischen Indien und Pakistan und der goldene Sikh-Tempel. Da wir im Sikh-Tempel uebernachten wollten, mussten wir also sofort los nach Attari, 20 km von Amritsar, mit Gepaeck.
Das Gepack, 4 grosse schwere Rucksaecke und Handgepack, in eine Riksha und ab.
Nach mehrern Leibeskontrollen (Das Gepack mussten wir in der Riksha lassen) sind wir auf eine Art Tribuene gefuehrte worden. Die Atmosphaere war wie kurz vor einem WM Finale um die Weltherrschaft. Kriegerisch. Die Tribuene war neben einer ca. 100 Meter langen Strasse gebaut. In der Mitte dieser Strasse waren zwei Flaggen und zwei Tore unmitelbar hinereinander: Ein grün-weiss-orangenes, auf dem INDIA stand und ein gruenes auf dem goldene Lettern PAKISTAN schrieben. Die Flaggen in den jeweiligen Landesfarben.

Nach 20 Minuten wie auf einen Krieg warten, durften sich Kinder – auf der indischen Seite - in einer Reihe aufstellen, bekamen indische Flaggen in die Hand und rannten die Strasse rauf und runter. Grenzsoldaten passten auf, dass die Kinder nicht zu nah an die Tore kamen, sodass keine Provokation zustande kommen konnte. Die Kinder, die mit ihrer Flagge rannten wurden mit tosendem Jubel angefeuert.
Ein Soldat, mit tiefer, lauter, maennlicher Stimme rief ins Mikrofon: „Bharaaaaat Mataki“. Worauf die Menge „Jeeeey“ jubelte. „Mutter Indien“ - „Staerke“.
Dann hielten auf beiden Seiten der Grenze zwei Soldaten einen „Schreiwettbewerb an“. Je einer pro Seite, je ein Mikrofon und je ein scheinbar grenzenloses Lungenvolumen.
„Heeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeh“
Dann ging es Los: indische und pakistanische Soldaten bewegten sich im gleichschritt auf die Grenze zu. Selbstbewusst und bestimmt hielten sie ihre Waffen fest. Nach ein paar Schritte hob jede Gruppe sschwang jeder Soldat ein Bein gestreckt bis zum Kopf und marschierte dann weiter. Das wurde wiederholt bis man an der Grenze war. Nun wurden die Tore geoffnet und ein weiterer „Schreiwettbewerb begann“ ein weiterer Trupp marschierte mit der gleichen länderübergreifenden Synchronität auf die geöffneten Tore zu. Dann marschierten einzelne Soldaten. Indische und Pakistanische Soldaten mit der gleichen Choreographie und wieder synchron und wieder mit dem charakteristischen Beinschwung gestreckt bis zum Kopf.
Die Uniformen der Inder waren braun, die der Pakistanis schwarz. Alle Soldaten trugen einen Kamm aus bunten Borsten auf dem Kopf, wie die Hähne. Obwohl uns Europäern das alles ziemlich grotesque schien, wurden beide Seiten von ihren Zuschauern sehr ernst genommen. Immer wieder riefen beide Seiten durch ihre Mikrofone - die so gestellt waren, dass man auf der anderen Seite der Grenze besser gehört werden konnte - „Hindustan“, worauf die Zuschauer im Chor „Zyndavad“ antworteten: „grosses Indien“. Auf der anderen Seite das selbe: „Pakistan“. „Zyndavad“
Beide Seiten versuchten sich zu übertönen und zu überstimmen. Alle Zuschauer gaben ihr Bestes.
Ein bißchen hatten wir Angst. Die Atmosphäre war gespannt und der Geruch von Schweiß, dem der Soldaten und der Zuschauer, legte sich in die heiße, sonst trockene, staubige Luft....
Zwei scheinbar sehr wichtige Soldaten choreographierten wieder auf das Tor zu. Auf jeder Seite einer. Ein schwarzer und ein brauer. Beide mit Geflügelschmuck. Am Tor angelangt schauten sich beide an. Nur wenige Zentimeter trennte die kampfbereiten Hähne. Dann, nach fast ewig dauernden 20 sekunden „ böse in die Augen starren ohne zu lachen“, geschah etwas unerwartetes, beide streckten ihre Hände aus und schüttelten sie ein, zwei, ganze drei Mal. Beide Seiten jubelten und die Stimmung hatte sich nach diesem Höhepunkt ein wenig entspannt und wir merkten, wie sehr wir auf einmal mitjubelten und dieser Geste des Friedens zwischen den beiden so zertstrittenen Völkern Anerkennung erwiesen.
Die Fahnen wurden langsam heruntergezogen. Vorsichtig achtete jede Seite darauf nicht zu schnell an der Schnur zu ziehen, die die Fahne bediente, sodass keine Fahnen über der Anderen steht. Diese langsame Zeremonie wurde von pathetischer Trompetenmusik begleitet. Als die Fahnen unten- und die Grenze geschlossen waren, warteten die schwer bewaffneten Soldaten auf den Wachtüren auf beiden Seiten bis sich die Menge in Richtung des Ausgangs machte und legten dann ihre Maschienen- und Scharfschützengewehre ab.
Später verkaufte man vor der Tribüne Wasser und Softdrinks und Knabberzeug wie auf dem Jahrmarkt. Die Verläufer ware streng aussehende Soldaten und trotzdem war die Stimmung wieder angenehm und entspannt.
Wir machten uns langsam auf den Weg zurück in die Innenstadt von Amritsar. Die gastfreundlichen Sikhs bieten jedem Besucher des goldenen Tempels Schlafgelegenheiten und Essen an, wenn man will. Kostenlos.
Das wollten wir machen. Weniger um Geld zu sparen, sondern der Erfahrung wegen. Wir hatten gehört, dass dort mehre tausend Gäste pro Nacht seien. Pilgernde Sikhs aus der ganzen Welt. Indische Touristen. Ausländische Touristen. Weltreisende usw...
Totmüde kamen wir am goldenen Tempel an. Eine riesige, viereckige Tempelanlage - innen offen – mit weissen, verziehrten Tempeln beherbegte einen riesigen, eindrucksvollen, quadratischen Pool. Mitten in diesem Pool steht ein kleiner -ich habe ihn mir größer vorgestellt, würfelförmiger, aber stark verziehrter, goldener Tempel. Ein Steg führt in den heiligsten Schrein der Sikhs. Goldener Tempel ist weder eine Metapher noch übertrieben. Der Tempel ist tatsächlich zu 100% mit Gold überzogen.
Nach einem kurzen Blick gingen wir zu den Schlafplätzen und ließen uns einen Platz zuweisen. Julian und Ich schlufen auf dem Boden eines Innenhofs in einem der, an die Tempelanlage angrenzenden, Häuser. Mit mindestens weiteren 250 Menschen. Armin, und Felix schlufen in einem kleinen Zimmer des selben Hauses. Dort waren mindestens 10 Betten aneinander gereiht, sodass eine riesige Schlaffläche entstand. Gute Nacht.
Am nächsten Morgen machten wir die Toiletten und Duschen ausfindig. Die Männer in den ersten, die Frauen in den zweiten Stock. Fast das ganze Stockwerk bestand aus Toiletten und Duschräumen, die z.T offen waren, also ohne vierte Wand. Im Tempelschlafhaus selbst bestand eine freundschaftliche, gar familiäre Atmosphäre. Man schlief zusammen, duschte zusammen und aß oft auch zusammen. Nicht weit von unseren Schlafplätzen befand sich die Großküche der Tempelanlage und der Speisesaal. Überall gab es freiwillige Helfer, meistens Sikhs, die man an ihren bunten Turbanen und den Bärten erkannte, aber auch einige Ausländer waren dabei. Beim Essen saßen alle in einer Reihe auf einem langen Teppich auf dem Boden. Freiwillige gingen vorbei und schöffelten gekochtes Gemüse in Currysose und Capatti (das indische Brot, in Pfannkuchenform, ist aber nicht süß) auf die in Indien so typischen Metall- oder Aluteller. Weitere Freiwillige haben das Besteck unter einer riesigen Abschpülmaschine abgespült und sortiert. Dann wurde es von anderen Freiwilligen herumgetragen, wo andere es wieder an die verteilt haben, die noch nicht gegessen haben. Insgesamt waren es mindestens 200 Freiwillige, ich bin mir aber, trotz der immensen größe der Küche und des Speisesaals, nicht sicher, ob das die einzige Küche der ganzen Tempelanlage war. Das Arbeiten und das Essen wurde mit spiritueller Musik untermalt. Eine live Übertragung der Mönche, im Inneren des kleinen goldenen Tempels, die auf traditionellen Instrumenten und mit devotem Gesang ihre 10 Gurus heiligten. Innen ist der Tempel wenig spektakulär. Vieles ist mit bestickten Tüchern und Gold verziehrt und Möche beten und singen in der Mitte. Am Rand stehen die Gläubigen und Knien auf dem Boden. Zum Teil legen sie ihr Gesicht auf den Boden und beten. Viele haben das heilige Essen in der Hand, bzw. eingewickelt in Bananenblätter. Von dem heiligen Brei der Sikhs habe ich im Kapitel Delhi erzählt.
Der goldene Tempel selbst und die Tempelanlage hat mich weniger beeindruckt als ich gedacht hatte, doch trotzdem war diese Erfahrung in Amritsar unvergesslich schön. Was den goldenen Tempel -meiner Meinung nach- ausmacht ist nicht das architektonisch-interessante Design, oder das wertvolle Gold, sondern die Menschen, die hier her kommen. Wie in einer Kommune lebt man zusammen, arbeitet und isst und schläft. Alles ist freiwillig und keiner wird zu etwas gezwungen. Natürlich weisen einige Spendenboxen darauf hin, dass man Spenden gerne sieht, aber niemand kontrolliert ob gespendet wurde, denn das geschieht ganz schnell und anonym, mit einer kleinen Handbewegung zu einem Schlitz oben an der Box, wie bei einem Sparschwein.
Als ich 2 Stunden, nach dem Essen, in der offenen Küche geholfen beim Geschirr sortieren geholfen habe, waren alle in die Arbeit vertieft, aber in Gedanken war man bei der Gruppe. Bei seiner Arbeitsgruppe. Und so international sie auch sein konnte, alle arbeiteten gemeinsam, fröhlich und gratis. Es war ein schönes Gefühl, mit so vielen Leuten zu leben, einige kennen zu lernen und andere nie gesehen zu haben, obwohl sie im selben Raum schliefen. Auch wenn es nur eine Nacht und ein Tag gedauert hat, war mein Erlebnis im goldenen Tempel von Amritsar sehr erstaunlich und schön. Ich würde gerne wieder nach Amritsar kommen.

Von Amritsar fährt ein Zug direkt nach Agra. Am späten Nachmittag sind wir in den Zug eingestiegen und am nächsten Morgen in Agra angekommen.
Unser erster Schritt sollte der Gang in ein Reisebüro werden. Die Rikshafahrer wollten uns jeder das Beste, jeder ein Anderes empfehlen, doch irgendwie hat es keine Busse nach Varanasi gegeben. Da wir am selben Abend noch nach Varanasi fahren wollten, wollten wir mit dem Bus fahren, da diese auch noch im letzten Moment erhältlich sind. Zugtickets, gerade auf Strecken wie, Agra-Varanasi muss man oft lange vorher buchen um einen Schlafplatz zu bekommen. Oder man muss sich damit abfinden auf dem dreckigen Boden zu schlafen. Da der Boden wirklich richtig dreckig ist, will das aber eigentlich niemand und so ist der Run auf die Tickets um so größer.
Nach einigen unnützen Rikshafahrten und Telefonanrufen mussten wir uns geschlagen geben. Wahrscheinlich ist es unser Schicksal heute auf dem Boden des Nachtzuges zwischen Agra und Varanasi schlafen zu müssen.
Wieder am Bahnhof angekommen, dort wo wir zwei Stunden zuvor schon mal in Agra angekommen sind, suchten wir das Reisebüro und ich füllte das Ticketformular für uns aus. An den Schaltern der dreckigen, ungeschmückten Bahnhofshalle, war ein grosses Gedränge und als ich endlich an der Reihe war schloss der Schalter. Frühstückspause. Das kann ja nur noch besser werden in Agra... Nach 15 Minuten warten erbarmte sich ein Bahnbeamter an den Schalter und buchte Tickets. Warteliste 30, 31, 32 und 33. Könnte klappen, muss aber nicht. Mit der „waitinglist“ funktioniert das folgendermaßen: Wenn alle Plätze gebucht sind läuft der trotzdem Ticketverkauf weiter, man bezahlt zwar für ein Ticket und einen Schlafplatz und das Ticket ist garantiert, aber eben nicht der Schlafplatz. Wenn 33 Leute abspringen und ihr Ticket bis 2 Stunden vor Abfahrt stornieren, dann bekommen wir deren Plätze, wenn nicht, dass müssen wir doch auf dem Boden schlafen.
Mit der Fahrradriksha wollten wir ans Taj Mahal, den Grund für unseren kurzen Stop in Agra. Es war heiß und unseren beiden Rikshafahrern in unserem alter lief der Schweiss. Da kam uns eine Idee und ich erklärte sie unseren Rikshafahrerfreunden auf Hindi. Peinlich berührt und lachend lehnten die Rikshafahrer ab, aber als wir darauf bestanden und sie begriffen, dass wir es ernst meinten tauschten wir die Plätze. Wir schwangen uns auf die Fahrräder mit einer Art Kutsche dahinter und die Fahrer rauchten eine Zigarette, die wir ihnen kurz davor angeboten haben. Am Strassenstand hielten wir an und ließen uns kurz die Haare schneiden. Ganz kurz. Erstens war es die geeignete Frisur für die 40+ heisse Luft und zweitens haben wir einige Nächte vorher gerätselt ob sich -vor allem- Julian das traut. Ihm wird vorgeworfen seit der 5. Klasse die selbe Frisur zu haben. Nach dem kurzen Stop bei dem 12jährigen Strassenfriseur fuhren wir weiter die grosse Strasse entlang. Auf den Fahrradrikshas. Wir wechselten uns ab. Mittags sind wir dann endlich am Taj Mahal angekommen. Wir hatten hunger und es war zu heiß jetzt das Taj zu besichtigen. Wir sahen es noch nicht, konnten nur erahnen, dass es sich hinter den hohen roten Mauern befindet. Wie weit es genau entfernt war wussten wir auch nicht, doch spürten wir die magische Anwesenheit des Palastes. Das meist fotografierte Gebäude der Welt. Das weiße Weltwunder. Die schönste Liebeserklärung der Welt. Das Taj Mahal.
Ein kleines, schäbiges, indisches Restaurant warb mit Dachterasse und blick aufs Taj Mahal Kunden an und wir traten ein. In einem winzigen Raum angekommen führte uns der Besitzer winzige, sehr enge Stufen hinauf. Die Proportionen stimmten, doch hatte es ein wenig die Atmosphäre eines Kinderspielhauses. Julian und ich kamen als erstes auf der Dachterasse an und staunten. Wir riefen Armin und Felix zu. Sie beschleunigten ihre müden Schritte und da standen wir 4. Angekommen. Es schien still, ich kann mich zumindest an kein Geräusch mehr erinnern. Das Taj Mahal. Zwischen 4 roten Toren spriesst es hervor, wie die Blüte einer Blume. Es war noch weit weg, einen Kilometer vielleicht, doch hatte man von hier einen wunderschönen Blick auf das muslimische Mausoleum. Wir aßen, wie berauscht, doch wir beeilten uns nicht. Die Vorfreude war groß, aber der Besuch des Taj Mahals war es wert perfekt zu sein und so wollten wir warten, bis sich die Sonne ein wenig senkte. Dann ist das Klima angenehmer und die Lichtverhältnisse, von denen die Atmosphäre um das Taj Mahal lebt, noch besser.
Ich kann und will nicht viel über das Taj Mahal schreiben. Es ist unmöglich dieses Gebäude, noch mehr, dass was es ausmacht und so wirken lässt, in Worte zu fassen. Wer nicht da war mag denken, dass sei eine faule Ausrede, doch wer da war, weiß was ich meine.
Das Gebäude hat eine Seele. Eine klar zu spürende Seele, die den Besucher begleitet und ein gutes, schweres Gefühl des Stolzes und Freude legte sich um mich. Nicht die Freude, mit der man auf eine Party geht oder mit der man eine gute Zensur entgegennimmt. Eine tiefe, uralte Freude und Zufriedenheit stellte sich ein und die Anstrengung der letzten Tage war weg. Man fühlte sich wichtig, war man doch so nahe an einem so bedeutenden Ort unserer Erde. Das Taj Mahal spricht zu dir, leise und ohne Worte zu benutzen. Es ist eine Sprache, die man fühlen kann, aber nur dann versteht, wenn man sich frei und offen macht, für das Unverständliche. Es sieht von allen Seiten gleich aus und ist symentrisch gebaut, doch hat jede der vier Seiten eine andere Geschichte zu erzählen und andere Dinge gesehen. So hat sich der Ausdruck und die unterschiendliche Stimmung vor diesen Mauern gebildet und verändert.
Das Taj Mahal hat mich zu Tänen gerührt und trotz des Lärms der vielen Besucher hat es nur mir gehört. Die weißen Steine legen sich lückenlos übereinander wie die Körper der Liebenden. Die arabische Inschrift um die großen Bögen erdrückt vor devoter Gottesfurcht und Anbetung und macht das Taj Mahal auch zu einer spirituellen oder religiösen Erfahrung.
Die farbigen Steinchen blitzen auf, wenn das Sonnenlicht gerade darauf schien und gaben dem Taj Mahal leben, so wie die Augen einem Gesicht erst das Leben geben, so wie sie einer Miene Ausdruck verliehen und das Tor zur Welt da draussen sind, so bargen die hundert wunderschönen, farbigen Augen den stolzen Ausdruck des Taj Mahals, als wäre es sich seiner Wichtigkeit bewusst.
Ich war überwältigt. So überwältigt, dass ich mir nach einer kleinen Ruhepause im Schatten der Bögen, nach dem ersten Hoch des Taj-Rausches an einem kleinen Brunnen die Füße, Hände und das Gesicht gewaschen habe und dann tatsächlich zu Allah gebeten habe. Danke für dieses Bauwerk, für dieses Wunder, für diese Liebe, die dieses Gebäute gebaut hat. Wow. Auch jetzt bin ich wieder außer Atem und mache eine kleine Pause. Diesmal aber ohne Beten. xD. Ich übertreibe wirklich nicht. Diese Gedanken kann man vielleicht nur dann nachvollziehen, wenn man auch von diesem Kunstwerk eingenommen wurde, in Agra. Wenn sich das Gebäude, wie eine Gotteserscheinung vor einem Aufbaut und man nichts anderes tun kann als zu glauben und vor Freude zu weinen.
Das Taj Mahal ist das Beeindruckenste, was ich in meinem kurzen Leben je gesehen habe und ich fürchte, dass ich in den hoffentlich noch vielen Jahren meines Lebens nichts mehr beeindruckenderes finden werde.

Varanasi.
Nach einer Zugfahrt, wie auf einer Klassenfahrt. Mit einem Auge immer offen kamen wir in Varanasi an. Wir hatten doch noch 2, der 4 gebuchten, Betten bekommen und teilten die uns irgendwie. Aus Erzählungen und Büchern wussten wir, dass Agra-Varanasi die Zugstrecke mit der Höchsten Raub- und Diebstahlquote war und so waren wir vorsichtig und ketteten unser Gepäck erst Mals an. Von Varanasi werde ich nicht viel schreiben können, denn Varanasi war langweilig. Wir waren uns nicht sicher ob wir unsere letzte Station, Kathmandu, erreichen können, denn in Nepal waren Aufstände ausgebrochen. Die Maoisten hatten zum Generalstreik aufgerufen und es lief nichts mehr. Alles brach zusammen und so stiegen die Nahrungspreise. Der Rest ist überall auf der Welt gleich.
In Varanasi überlegten wir uns also alternative Strecken und Ziele, hofften jedoch jeden Tag auf gute Nachrichten aus Nepal. Inwzischen schlenderten wir an den Ghats entlang. In Varanasi war es unheimlich heiß, die Hauptsaison war schon lange rum und wir trafen wenige Touristen. Die meisten Hotels hatten sogar geschlossen und die Stadt war tagsüber tot. Morgens und Abends war etwas mehr los an den Ghats, den kleinen mittelalterlichen Häfen auf der einen Seite des heiligen, aber verdreckten Fluss Ganges. (Die andere Seite war kahl und unbebaut, wurde trotzdem als heilig angesehen und so verändert niemand den Zustand des anderen Ufers). Am Flussufer tummelten sich Spatziergänger, Händler, Kühe und Hunde, Schlangenbeschwörer und Badende (ja, es gab tatsächlich eine Unmenge an Leuten, die freiwillig im Ganges badeten. Das nenn ich was fürs Djungelcamp!
In Varanasi verbrennt man die Leichen, nach Hindubrauch am Flussufer und gibt dann den sterblichen Körper bzw. seine Asche in die Strömung der heiligen Mutter Ganges und so sah man am Flussufer oft Verbrennungen und im Wasser schwammen kleine Kerzen, die an die Toten erinnern sollten. Eine Nahtoterfahrung so zu sagen. Interessant und regte uns oft zu Gesprächen über Wiedergeburt und/oder Himmel/Hölle Konzept an. Makaber war es trotzdem. Aber die Mienen der Menschen, die sich sicher waren, den Menschen, den sie so geliebt hatten, im nächsten Leben wieder zu sehen, waren nur ein kleines wenig traurig. Der Glaube an eine Wiedergeburt schein vielen Menschen die Angst vor dem Tod -vor dem Eigenen und vor dem, der Liebsten- zu nehmen, oder zumindest zu lindern. Ein klarer Pluspunkt gegenüber dem christlichen und muslimischen Himmel/Hölle Konzept.

Von Varanasi hatten wir trotz Bedenken und Warnungen einen Direktbus nach Kathmandu, die Hauptstadt von Neal, unsere letzte Station, wo wir uns ausruhen wollten, gebucht. Die Grenze mussten wir zu Fuss überqueren und ich wurde, da kein Touristenvisum, sondern ein X-Visum, nach meinen polizeilichen Registriurungspapieren gefragt. Die hatte ich dabei. Kurz darauf wurde ich dazu aufgefordert sie abzugeben, was ich nicht wollte, da man mir Monate zu vor auf der Polizei erklärte, dass ich ohne die Papiere am Flughafen zu zeigen, nicht zurück nach Deutschland fliegen dürfte. Das hatte ich aber nun mal vor, in ungefähr 3 Monaten. Tatsächlich stand auf der Registrierung „Abzugeben beim Verlassen des Landes“. Blöde Situation. Entweder Nepal oder Deutschland. Um mich mit meinen Freunden zu besprechen, drehte ich mich in der kleinen hölzernen Grenzstation mit einigen kaputten Holztischen und Stühlen für die Visaapplikanten, zu ihnen. Kaum hatte ich ein Wort gesagt pfiffen mich einige der Grenzpolizisten wieder zu sich und einer gab mir mit einer kleinen Handbewegung zu verstehen, dass ich ihnen folgen sollte. Sie gingen mit mir um die Ecke und erklärten mir, dass wenn ich ihnen einen kleinen Betrag aus meinem Geldbeutel gebe, sodass es keiner bzw. so wenig wie möglich sehen, dann könnte ich das Papier behalten. „Sind 1000 Rps Ok?“ Das war zwar weniger als sich die Polizisten erhofft hatten, aber anscheinend gab es heute Rabatt.
Es ist schön, wenn man Gesetzte mit einer kleinen Hilfe flexibel macht und davon einen kleinen Vorteil ergattern kann. Ich bin dafür sowas in Deutschland auch wieder einzuführen. Bzw. die Preise zu senken, dass auch wir uns wieder zur Not ein bißchen Anarchie in die Bürokratievenen spritzen können, damit das Blut der Demokartie besser fliesst.
Nepal war schön. Die Berge, zwar weniger hoch als gedacht, wir waren aber auch noch nicht wirklich richtig tief im Himalaya. Aber ein angenehmes, kleines, wuseliges Völkchen, die Nepalis. Nett sind sie und hilfsbereit und schnell freundeten wir uns mit Pushkar und seiner Familie an, die auch anderen Reisende aus Worms schon Hilfe gegeben hatten xD
In Nepal liefen wir eigentlich den ganzen Tag durch die Stadt und gingen shoppen. Abends gingen wir mal ins Kino oder in eine Bar. Einen Abend haben wir mit Pushkar, seiner Frau, die in Österreich Au-Pair gemacht hatte, und deren kleinen, frisch geborenen Sohn Sartak verbracht
Wirklich spektakulär war Nepal nur für die Anderen 3, die auch eine Raftingtour gemacht haben und Bungeejumping waren. Aber für mich ist das nichts, also hab ich mir auch Mal eine kleine angenehme Auszeit genommen, während die Kleinen sich ausgetobt haben.
Sie scheinen viel Spaß gemacht zu haben und wohl auch, wie in Varanasi, Nahtoderfahrungen gehabt zu haben (Beim Bungeejumpen). Alle kamen sie gesund zurück. Was mir aufgefallen war: Insgesamt ist Kathmandu viel westlicher als Indien oder die meißten Teile Indiens und in dieser Mischung, die eigentlich unvereinbar scheint, findet man sich nicht immer zurecht. Kathmandu ist schön, aber mir gefällt Indien besser! XD

Nach 5 wunderbaren Wochen mussten wir unsere Reise nun beenden. Ich bin mit dem Bus zurück nach Gorakhpur und habe mich von dort aus in den Pune-Gorakhpur Express gesetzt, der sein Ziel, Pune, nach 40 Stunden endlich erreicht hatte. Meine Freunde sind geflogen: Kathmandu-Mumbai-Istambul-Frankfurt. Etwa Zeitgleich waren wir zu Hause. Ich habe Spaß gehabt und weiß jetzt wieder warum die 3 meine Freunde sind. Das ist das wichtigste das zählt! Danke für die geile Zeit!

ENDE

Die nächsten Einträge bald:
 über die indische Hochtzeit
 über meine Studentenparty mit Rahul


Zu den Bildern:

in die eigentlich geplante chronologische reihenfolge hat sich der fehlerteufel eingeschlichen...also nicht wundern.
folgendes stimmt also nicht mehr, aber dennoch sind die bilder drauf. man kann das ganze ja zu einem familiensonntagsratespiel machen, wenn man zu viel zeit hat...

1. Julian mit vielen Indern in der Riksha
2. Unser Bus nach Udaipur
3. Im Bus nach Udaipur
4. Udaipur. Im Hintergund der City Palace
5. Auf unserer Dachterasse
6. Alter Verlassener Tempel
7. Kamasutra in Stein am Tempel
8. Beim Kochen im Pleasure Guest House
9. Julian füttert einen Affen
10. Lake Palace Udaipur
11. Jaiselmer Hauptplatz
12. Ein Burgshop in Jaiselmer
13. Der Blick von unserer Burg
14. Felix vor seinem Kamel
15. Wir imgeben von Wüstenziegen
16. So kocht man in der Wüste...
17. So häutet man ein Schaf in der Wüste
18. Mit unseren indischen Freunden vorm India Gate, Delhi
19. Beim Kebab essen
20. Sikh Tempel in Delhi
21. Red Fort, Delhi
22. Grab von Mahatma Ghandi
23. Lotus Tempel
24. Unser Sikh-Rikshafahrer in Delhi
25. Nainital
26. unsere Familie in Kiccha
27. Attari Grenzparade
28. Der Blick auf den goldenen Tempel, Amritsar
29. Im Essensraum des goldenen Tempels
30. In der Tempelanlage
31. Der Zug-samosaverkäufer
32. Ich als Fahrradrikhsafahrer in Agra
33. Vorm Taj Mahal
34. Varanasi Ghats
35. Varanasi 2
36. Varansi die Strasse in die Stadt
37. Ein Schlagnenbeschwörer in Varanasi

Samstag, 26. Juni 2010

Snap - Back to Reality

Sorry, den Post kann ich erst naechste Woche posten, denn der Computer hier im Internetcafe' kann das Format des Dokuments nicht lesen -.-
Aber es ist ein gaaanz langer Post xD
Naechste Woche aber. Versprochen. Samstag wahrscheinlich.

Bis bald

Dienstag, 23. März 2010

Mein Manifest

Danksagung

Zu aller erst moechte ich mich bei Sandra und Andreas (Hirschmann) bedanken. Das Buch ist sicher und unversehrt bei mir in Indien angekommen und die ersten Seiten lesen sich schon mal sehr gut! Danke, dass ihr an meinen Geburtstag gedacht habt und Danke fuer das Buch (Y.Martel - Schiffbruch mit Tiger). Es kam zu einem Zeitpunkt, an dem mir alle deutsche Literatur ausgegangen war und ich mich fast widerwillig der Englischsprachigen widmen musste. Danke, dass ihr diesen Moment, vor dem ich so viel Angst habe, um ein wenig herausgezoegert habt! :-)
Euer - eigentlich immer noch irgendwie - Nachbar

Gianmarco




Manifest

Danke Schwarz-Gelb

Paddy ist wieder aus Deutschland zurueck. Nach Visaproblemen musste sie dort ein neues Visa beantragen. Und Paddy hat nicht nur Schwarzbrot und Kaese mitgebracht, sondern auch Neuigkeiten: “In Deutschland hoeren jetzt alle Elektromusik.” Ok. “Jeden Tag kommt ein neuer Fall von Missbrauch in christlichen Organisationen ans Licht.” Aha...! “...der Papst moechte sich dazu nicht aeussern.” Gott sei Dank! Besser so. Und: “ Der Zivil- und Wehdienst soll auf ein halbes Jahr verkuerzt werden und der weltwaerts-Dienst (der Dienst, mit dem ich in Indien bin) soll abgeschafft, oder stark reduziert werden.” WAAAAAS!”
Sind denn in Deutschland alle verrueckt geworden? Hat der Papst der neuen Regierung etwa das Gehirn rausgefickt? Westerwelle ist doch viel zu alt fuer Benedikt.
“Was soll ich mit meinem Leben anfangen”, ist eine der permanten Fragen eines jeden Herawachsenden in der westlichen Welt. Der Zivildienst gibt Einblick in interessante Berufsfelder und gibt Zeit zur beruflichen Orientierung. Und waehrenddessen macht man auch noch etwas Gutes und Sinnvolles! Nicht wenigen hat der Zivildienst bei der beruflichen Orientierung neue Perspektiven aufgezeigt. Gerade fuer angehende Studenten ist der Zivildienst eine wertvolle Erfahrung berufliche Praxis –vor allem in weniger akademischem Berufsfeldern- zu sammeln; und das mehrere Jahre vor dem eigentlichen Berufseinstieg. Wer darauf kein Bock hat, kann sich heute leicht ausmustern lassen und direkt BWL studieren. Diejenigen, die aber noch nicht wissen, was sie lernen oder studieren wollen, fuer die ist diese Zeit unheimlich wichtig. Sie werden in Zukunft wohl diese Orientierungszeit mit Flatrateparties oder Flaschendrehen rumkriegen muessen. Oder schlimmer: Sich von Studiengang zu Studiengang, von Ausbildung zu Ausbildung entlanghangeln, wieder abbrechen usw, ohne wirklich zu wissen was sie wollen. Sogar der Wehrdienst hat –aus dieser Perspektive betrachtet- sicherlich Vorteile, auch wenn die Sinnhaftigkeit des Zivildienstes unumstritten hoeher ist, als die des Wehrdienstes bei der Bundeswehr. Ich war immer so froh, dass in unserem Land jungen Menschen diese praegende Zeit, mit den so wichtigen Erfahrungen, ermoeglicht wird. Zugegebenermassen mache ich mir auch um das Gesundheitssystem sorgen, dass ohne die neunmonatige Stueze der Zivis Schaden nehmen koennte. (Und dann wars das wieder mit dem Geld sparen!)
Weltwaerts, FSJ im Ausland und ADiA (Alternativer Dienst im Ausland) sind Programme, die sogar einen Schritt weiter gehen: Man macht einen Zivildienstaehnlichen Dienst im Ausland. Die Vorteile dieses einjaherigen Dienstes sind unbeschreiblich und direkt spuerbar. Ich persoenlich bin so froh diesen Schritt gemacht zu haben, denn ich bin wesentlich toleranter, reifer, fleissiger und ruhiger geworden. Mein Horizont - und damit mein Weltbild - hat sich erweitert und ich sammle taeglich unbezahlbare Erfahrungen, von denen ich mein ganzes Leben lang profitieren werde. Das Ausmass der Vorteile, das mir dieses Jahr bietet, ist unglaublich und doch noch voellig unerschlossen. Im Rahmen der interkulturellen Zusammenarbeit helfen Dienste wie diese Vorurteile abzubauen und ein friedliches Zusammenleben der Voelker zu foerdern.
Jetzt soll das gestrichen werden? Warum tut man das der Jugend an? Nach all dem BlaBla ueber Bildung und social skills, soll nachfolgenden Generationen das alles vorenthalten werden. DAS ist Bildung, verdammt, und zwar sinnvoller, praxisnaher und konkreter als jede Schulstunde oder Vorlesung!! Die Zukunft der Jugend, da ist sich die Politik ausnahmsweise einig, liegt in der Bildung. Und das steht jetzt auf dem Spiel. Studiengebuehren, eine halbherzige Umstellung auf Bachelor und Master, die Streichung der weltwaerts-Gelder und die Verkuerzung der Zivildienstzeit lassen das ganze Bildungsblabla laecherlich und verlogen wirken.
Natuerlich kann man die Gruende fuer diese radikalen Einsparungen verstehen. Die Weltwirtschaftskrise hat ihre Spuren hinterlassen. Deutschland muss sparen. Aber hier wird falsch gespart! Als allererstes koennte sich die FDP “Der Markt regelt sich selbst”-Saetze sparen, danach koennte man unnoetige Subventionen streichen und Beamtenboni kuerzen. Stattdessen wird auf Kosten der Jugend gespart. Danke Schwarz-Gelb!
Ein weiterer Grund fuer die Verkuerzung des Zivil-bzw. Wehrdienstes ist folgender: In einer globalisierten Welt steht die deutsche Jugend im Kampf um Arbeitsplaetze in direkter Konkurrenz mit der chinesischen, indischen, japanischen und amerikanischen Jugend. Die meisten jugendlichen aus der ganzen Welt haben gegenueber der deutschen Jugend meistens einen klaren Altersvorteil. Mein indischer Zimmergenosse z.B., Rahul, wird am 31. Maerz 20 Jahre alt und hat naechstes Jahr seinen Bachelor in Computer Engeneering. Darueber aber, sollte das Land der Dichter und Denker hinwegsehen koennen. Wofuer habe ich in der Schule die Epoche der Romantik, Sturm und Drang usw gepaukt. Wofuer haben wir Diskussionen ueber Idealismus und Humanismus gefuehrt? Warum schreiben die Genies Europas Buecher ueber Lebenserfahrung, obwohl sie bei der deutschen Bank AG arbeiten koennten. Was unterscheidet uns von der unterdrueckten Jugend in China? Fuer mich macht es keinen Sinn, dass in deutschen Lehrplaenen stolz und selbstverliebt deutsche Philospophen stehen, wenn wir ihre Ideale nach dem Abi an den wirtschaftlichen Fortschritt verkaufen muessen. Erfahrung - besonders im Zusammenhang mit Reisen - ist mehr wert und bildet mehr als Schule oder Uni. Vor allem bringt “tatsaechlich leben” einem persoenlich mehr. Und wenn die internationalen Arbeitgeber das nicht verstehen, dann sollten sie weniger Managerzeitschriften-, und mehr Literaturnobelpreistraeger lesen. Wenn sie das hinterher immer noch nicht verstehen, dann ist das mir egal. Dann scheiss ich da drauf. Ganz im Sinne des Taugenichts von Eichendorff.
Wahrscheinlich verstehen wir das erst, wenn die Jugend muede ist, als Kind von Pfarrern und spaeter von der Wirtschaft und den Politikern in den Arsch gefickt zu bekommen und irgendwann depressiv kollektiven Selbstmord begeht. Uebrigens ist die allgemeine “Verrohung der Sprache” ein erstes Anzeichen von einer Wut, die sich in den kommenden Generationen als eben genau diese Depression und Hoffnungslosigkeit aeussern wird. Vielleicht rueckt dann der Mensch wieder in den Mittelpunkt und nicht die Wirtschaft und das Geld.

Ich plaedire fuer Bildung und Erfahung und persoenliches Glueck.

Ich plaedire fuer die Abschaffung des Wehrdienstes, aber fuer einen verpflichtenden einjaehrigen Zivildienst im In- oder Ausland fuer Maenner und Frauen.

Gianmarco Steinhauer

Donnerstag, 18. März 2010

Gudi Padva und mein Geburtstag














Frohes Gudi Padva.

Die letzten 2 Tage war hier Freude schoener Goetterfunken. Der Hammer. So coole, aber unglaublich warme und taeglich heisser werdende Tage. Es beginnt die Waermste der drei indischen Jahreszeiten.
Ein Beispiel von gestern morgen: Auf dem Montagsmeeting wurde beschlossen den Tagesrhythmus ab Mittwoch eine halbe Stunde vorzuverlegen, d.h um 6.30 Uhr wecken, weil es um die Mittagszeit einfach zu heiss wird. Mittwochmorgen um 6.32 Uhr klingeln die Handies der Volunteers. Die Hausmuetter hatten folgenden Einfall: “Aufgrund der Hitze sind alle muede. Lasst uns heute erst um 8.00 Uhr wecken/aufstehen. xD
Ich liebe Indien.
-Also zu dem Blogtitel- Gudi Padva ist das hinduistische Neujahr. Es richtet sich nach dem Mond und ist dieses Jahr auf den 16. Maerz gefallen. Genau, auf meinen Geburtstag. Der Tag war also ein Feiertag fuer alle. Auch die langen Bambusstangen, die am Tag davor fuer fragende und verwirrte Gesichter unter uns nicht-Hindus gesorgt haben, lassen sich jetzt erklaeren. Alle Motorraeder, Autos, Rikshas etc haben gestern auf die waghalsigsten Arten eine oder mehrere Bambusstangen transportiert (einige 10-15 Meter lang). Der Tag begann mit einigen Gebeten und dem Fahnenstellen:
Man nehme einen neu-gekaufter Sari und falte ihn mehrmals in der Mitte. Das wird dann mit Kordel an die Bambusstange, die das Familienoberhaupt am Vortag als seine 10meter lange Lanze auf dem Motorrad transportiert hatte, gebunden und mit Blumen verziehrt. Ganz obendrauf kommt ein umgedrehter Krug als “Fahnenkopf”. Abschliessend die Fahne noch mit Farbpulver und Kokosnuessen segnen. Hier gilt: Mehr ist mehr! Das ganze Gebilde in der Naehe des Hauses aufstellen und einen ganzen Tag ziehen lassen, abends wieder einholen. Fertig war die Gudi Padva Fahne fuers neue Jahr.
Am Ende des Vormittags waren alle 4 Fahnen (eine pro Haus) gestellt und die Boeden mit Mustern aus Farbpulver verziehrt. Ich habe leider den Namen dieser Mandalas vergessen, aber wen es wirklich interessiert, der findet alle Informationen zu diesem Thema auf www.google.de
Zum Mittagessen hat sich die ganze Community im Puriya Haus getroffen und meinen Geburtstag gefeiert. Mit “Zuckersegnung”, netten Geschenken (ein indisch-goldenes-Glitzerhemd, mehrere Kerzen, ein selbstgemaltes Bild vom Kolwanvalley und ein Rajastan-Style Buecherstaender), aus-voller-Kehle-Geburtstagslieder-singende Friends, Blumen u.v.m) Auch einige Verwandte von Medha-Thai, aus Mumbai, waren da. Ich denke alle haben die Abwechslung genossen und so sind alle hinterher zufrieden in den Mittagsschlaf gefallen.
Fuer uns Volunteers gabs keinen Schlaf, den wir hatten frei bekommen um meinen Geburtstag in unserem Stammrestaurant (nicht der German Bakery, sondern dem im naechsten Dorf “Paud”) zu feiern. Mit noch vom Mittagessen halbvollen Magen also in den Public Jeep gezwaengt und ab nach Paud zum Sagar Inn Family Restaurant, dass seit 4 Jahren zur Haelfte von den Volunteers von Sadhana Village und zur anderen Haelfte von den Mahindra College Students getragen wird. Hasmuk-Bhai kam auf die Idee noch aus dem Jeep dort anzurufen und Pakodas zu bestellen, um die Wartezeit zu verkuerzen xD, also wartete eine Pakodaorgie auf uns, als wir (Tamara, Anna, Ute Hasmuk, Rahul und Ich) im Sagar Inn Family Restaurant (da steht tatsaechlch: ONLY FOR FAMILY) einmarschiert sind. Das Pakoda wurde mit indischem Kingfisher Beer runtergespuelt. WIr haben es uns richtig gutgehen lassen und wir haben das alle verdient gehabt! Da waren wir uns alle einig! Ehrlich, es war ein toller Geburtstag mit lustigen, interessanten, ernsten, sarkastischen, ironischen und guten Gespraechen und ich war rundherum gluecklich. Alle haben gestrahlt und jede Menge Spass gehabt. xD Als wir zurueckwollten gabe es keinen Public Transport mehr, also musste uns das Restaurant eine Mitfahrgelegenheit klarmachen. Back Home haben wir maennlichen Volunteers Hasmuk, Rahul und Ich noch in unserem Zimmer gesessen und Maennergespraeche gefuehrt.
(in Indien drehen sich Maennergespraeche oft um das Heiraten – Rahul und Hasmuk moechten nach einer Inderin fuer mich Ausschau halten, wird ihre Suche erfolgreich, dass wuerden sie sich auch um die Arrangements fuer die Ehe kuemmern. Ich poste es in den Blog, wenn sich bei der Suche etwas ergibt xD)
Ich gehe jetzt erst noch zum indischen Friseur, dann ins Reisebueroe um ein paar Zugtickets fuer die naechste grosse Reis emit Julian, Armin und Felix zu buchen. Man ich freu mich drauf! ...Und vielleicht fallen mir auf dem Weg noch ein Paar Sachen ein, die ich noch erledigen muss.
Bye Bye
Gianmarco

Zu den Bildern:
1. Sarifahne
2. Zeremonie am Malhar Haus mit Fahne
3. Maushi signet die Fahne
4. Ich segne die Fahne
5. Ute malt ein Mandala
6. Anna, Yogesh und Ich
7. & 8. Mangla-Thai’s Geburtstagssegen
9. Nittin gratuliert mir auch
10. Rahul, Hasmuk und Ich im Restaurant in Paude
11. Abends noch ein Pan am Strassenstand
12. Ich auf unserer “Hauptstrasse” zwischen Malhar Haus (nicht im Bild) und Puriya (links) & Kedar (rechts)